
22.07.2010, 13:20 Uhr | Claudia Ottilie
Löwinnen (Foto: South African Tourism)
Hendrik Fehsenfeld arbeitet seit vielen Jahren als Ranger in den Nationalparks Südafrikas. Im Interview über seine aufregendsten Begegnungen mit den Big Five nennt der Ranger sofort den König der Tiere. Dabei ist der Löwe nicht einmal die größte Katze, geschweige denn das größte oder stärkste Tier. Von einer Regentschaft kann man bei den meist einzelgängerischen Männchen wohl auch nicht sprechen. Seine prächtige Mähne verleiht ihm jedoch den Kragen eines Royals und die Brutalität, mit der Löwenrudel über ein Beutetier herfallen, flößt Respekt ein. In Afrikas Savannen kennen diese Großkatzen tatsächlich kaum einen Gegner, sie sind schließlich die größten Landraubtiere des Kontinents.
1. Der König der Tiere
Für Fehsenfeld ist der Löwe das Symbol Afrikas. Eine Safari ohne Löwen wäre undenkbar. Ihr Auftauchen wird sehnsüchtig erhofft und mit großen Respekt und Zurückhaltung beobachtet. „Einmal“, so plaudert der Ranger aus, “sah es ganz schön knapp aus.“ Als ein Löwenmännchen unerwartet nicht am Jeep vorbeilief, sondern interessiert stehen blieb und beschloss, das Fahrzeug näher zu untersuchen. „Kein Grund zur Unruhe. Einfach nur den Wagen starten und eine Schleife fahren“, erklärt der Ranger die übliche Prozedur. „Doch der Motor machte nur ein sanftes Klick.“ Fehsenfeld gab daraufhin seiner Gruppe Order, still zu sitzen und ruhig zu atmen. „Das vier bis fünf Jahre alte Männchen kam zur Tür. Es drückte seine Nase gegen mein Bein, schnupperte, schnaubte, drehte sich um und ging schließlich weiter“. Er erinnere sich noch genau an das kollektive Aufatmen der gesamte Safari-Gruppe, so Fehsenfeld, der zugibt, danach mit schlotternden Knien aufs Gaspedal gedrückt zu haben. „Wenn dir der König der Tiere direkt in die Augen starrt, fühlst du dich sehr, sehr klein und bedeutungslos.“
2. Der Krönungsschmuck eines Königs
Ein so signifikanter Unterschied des Fells wie bei Löwin und Löwe findet sich bei keiner anderen Katzenart. Die Mähne macht den Löwen daher einzigartig. Einigen Untersuchungen zufolge hängt die Größe und Farbe der Mähne vom Hormon Testosteron ab. Tests haben bestätigt, dass Löwinnen häufiger von Männchen mit großer und besonders dunkler Mähne angezogen wurden, demnach einen hohen Testosteron-Spiegel haben und somit potenter sind. Auch die Sonnenintensität soll das Mähnenwachstum beeinflussen. So besitzen Löwenarten, die in den bewaldeten Gebieten Asiens leben, eine wesentlich kürzere Mähne. Auch der Schwanz unterscheidet den Löwen von seinen Katzenverwandten wie Tiger, Leopard und Jaguar. Eine schwarze Quaste umschließt das knochige, stachelartige Schwanzende. Dass sich die Löwen damit vor einem Kampf in Raserei peitschen, scheint jedoch eher Mythos als Wahrheit zu sein.
3. Die soziale Katze
Auch wenn sie sich nicht zuvor in Rage peitschen, kämpfen Löwen regelmäßig die Vorherrschaft über ein Rudel aus. Sie sind die einzigen Katzen, die in größeren Verbänden zusammenleben, meist von ein bis drei Männchen angeführt. Bis zu 20 Löwinnen scharen sich um die Löwen, die lediglich den eigenen Nachwuchs dulden, und die Jungen ihrer Vorgänger unter Umständen sogar töten. Vertriebene Männchen und Brüder leben oft ein Leben lang in kleinen „Männergruppen“ zusammen. Sein Leben in einer hierarchischen Gemeinschaft und die gegenseitige Unterstützung macht den Löwen zu einer sozialen Katze. Im Rudel wird gejagt, im Rudel werden die Jungen aufgezogen und geschützt. Ihre Stärke liegt im Verband, denn ein einzelner Löwe ist nur auf kurze Distanz schnell und stark. Das reicht kaum aus, um eine Gazelle zu erlegen. Aber im taktisch agierenden Rudel sind die Großkatzen unschlagbar. Dabei ist Frauenpower die Devise, denn Männchen jagen ungern. Generell machen Löwen einen faulen Eindruck, wenn sie bis zu 20 Stunden am Tag im Gras liegen und dösen. Sie sparen Energie und sammeln Kräfte. Nur so gelingt bei Dämmerung die Jagd. Selbstverständlich kostet das Familienoberhaupt als Erster von der Beute.
4. Fingerabdruck im Gesicht
Die Schnurrhaare sind der Fingerabdruck eines Löwen. Kein Tier hat das gleiche Haarmuster wie ein anderes. Wie bei jeder Katzenart dienen die Schnurrhaare allerdings nicht zum Schnurren. Denn dafür sind Kehlkopf und Stimmlippen verantwortlich. Im Gegensatz zu unseren Hauskatzen schnurren Großkatzen nur beim Ausatmen. Ein elastisches Zungenbein und die besonders langen Stimmlippen verleihen ihnen außerdem die Fähigkeit, sehr laut zu brüllen. Bis zu acht Kilometer weit soll Löwengebrüll zu vernehmen sein.
5. Vom Aussterben der Königskatze
Weder Brüllen noch Prankenhiebe helfen der größten Katze Afrikas gegen Krankheiten und schwindenden Lebensraum. Wie unsere heimischen Hauskatzen ist auch der König der Tiere anfällig für eine Immunschwächekrankheit, das so genannte Katzen-AIDS. 60 bis 70 Prozent der Population, die im Kruger Nationalpark lebt, sollen mit FIV (Feline Immunodeficiency Virus) infiziert sein. Es schwächt die Immunabwehr der Tiere so sehr, dass Krankheiten schneller ausbrechen und tödlich verlaufen können. Ein Tuberkulose-Ausbruch unter Büffeln ging in den vergangenen Jahren auch auf die Löwen über und breitete sich aus. In den vergangenen 20 Jahren ist der Bestand an Löwen um 30 Prozent geschrumpft. Der Löwe steht auf der IUCN-Liste der gefährdeten Arten und wird auch heute noch von Wilderern verfolgt.
Quelle: t-online.de
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