
26.04.2010, 14:09 Uhr | Maik Rico y Gomez
Fußballtrainer Rainer Zobel, der seit 2009 in Südafrika bei dem Verein Moroka Swallows tätig ist.
Ex-Bundesligatrainer Rainer Zobel (61) ist seit Juli 2009 in Südafrika als Trainer des Erstligavereins Moroka Swallows tätig. Für t-online.de spricht der Coach über die Stimmung im Land, die Erwartungen und Hoffnungen der Menschen und die Zukunft nach der WM.
Herr Zobel, nun sind Sie seit fast einem Jahr in Südafrika. Wie fühlen Sie sich in dem Land? Was ist das Besondere an Südafrika für Sie?
Ich bin ja schon sehr viel in Schwarzafrika herumgekommen, und im Gegensatz zu Ruanda, Senegal oder Tansania ist Südafrika ein fast europäisches Land mit vielen schwarzen Einwohnern. Es gibt eine gute Infrastruktur – mit gut ausgebauten Highways, einem Schienennetz und großen Einkaufszentren. Daher ist der Kulturunterschied zu Europa oder den USA nicht so groß wie in anderen afrikanischen Ländern. Aber natürlich hat auch mich diese Vielfalt der Natur überwältigt – die Berge, die Ozeane, die Wildnis, einfach atemberaubend.
Die WM beginnt in etwa sechs Wochen. Wie erleben Sie die Vorbereitungen auf das Turnier? Ist das im Alltag wirklich präsent? Oder herrscht gar bereits eine Fußball-Euphorie?
Ja, jetzt wird es langsam spürbar und knistert an allen Ecken. Ich sehe auch schon Fahnen auf den Autos und vermehrt Fanartikel in den Geschäften. Doch so eine organisierte Megaparty wie 2006 in Deutschland wird es hier nicht geben.
Wieso?
Die Deutschen organisieren alles, sogar die Begeisterung. Das war toll, keine Frage, denn wir brauchen diesen organisierten Rahmen mit Fanmeilen und dem Ganzen. Der Südafrikaner ist viel spontaner. Das merkt man schon am Kartenverkauf – hier möchte man am Liebsten sein Ticket fürs Stadion am Abend des Spiels kaufen und dann die ganze Nacht feiern.
Kein Zweifel, die WM wird eine große Party werden. Doch was wird bleiben für die Menschen in diesem Land?
Natürlich bleiben die besseren Straßen, neue Hotels und die tollen Fußballstadien – wobei zwei dieser Millionengräber im Norden gebaut wurden, in dem kein Erstligaklub spielt, und wo auch die Rolling Stones oder U2 nie auftreten werden. Aber wissen Sie, ich war kürzlich auf einer Fußballparty mit etwa 2.000 Menschen – Schwarze und Weiße gemischt. Mir wurde gesagt, die Schwarzen seien überrascht gewesen, dass so viele Weiße kamen, da Fußball hier ja eigentlich ihr Sport ist. Doch alle haben friedlich gemeinsam gefeiert und getanzt bis spät in die Nacht. Und ich hoffe sehr, dass davon etwas bleibt.
Wie ist Ihre Einschätzung der Lage zum viel diskutierten Thema Sicherheit für die Fans?
Die WM ist auch in dieser Hinsicht eine große Chance für das Land, mit dem häufigen Vorurteil aufzuräumen, das Land sei generell sehr unsicher. Natürlich gibt es unsichere Orte, gerade nachts in bestimmten Stadtteilen, wo man sich alleine besser nicht aufhält. Aber die gibt es in allen großen Städten – auch in Frankfurt oder Berlin. Man sollte sich einfach an die Vorgaben der Reiseveranstalter und des Auswärtigen Amtes halten und Brennpunkte meiden. Wenn man sich daran hält, glaube ich, dass viele Menschen von außerhalb zur WM kommen und danach weiter erzählen, dass sie hier eine tolle WM in einem der schönsten Länder der Welt erlebt haben.
Wie schätzen Sie die Chancen der Bafana Bafana bei der WM ein?
Rein fußballerisch werden sie es schwer haben, die Gruppenphase zu überstehen. Aber mit den fanatischen Fans im Nacken, ist vielleicht sogar das Viertelfinale drin.
Also wird es nichts mit dem Traumfinale Deutschland gegen Südafrika?
Nein, eher nicht. Aber das wird auch für die Deutschen sehr schwierig.
Herr Zobel, noch eine Frage zur Bundesliga. Sie sind Jahrgang 1948 - nach der Phase der „jungen Wilden“ um Klinsmann & Co. sind nun die erfahrenen Trainer wieder gefragt –Heinckes (1945), van Gaal (1951), Köstner (1952). Wie beurteilen Sie diesen Trend?
Ja, die „Alten“ sind wieder gefragt. Sie gehen die Sache insgesamt gelassener an, müssen sich nicht mehr an jedem Punkt beweisen. Zudem hilft natürlich die Erfahrung in allen Bereichen – gerade im Umgang mit den Spielern, da hat man schon Vieles mitgemacht. Und für die modernen Trainingsmethoden hat man heute sowieso seine Spezialisten.
Würde Sie persönlich die Bundesliga noch mal reizen?
Ja klar, das reizt jeden. Aber wenn man so lange im nichteuropäischen Ausland war (seit 1998, Anm. d. Red.), hat man eigentlich keine Chance mehr. Obwohl in der Bundesliga mehr Ausländer spielen als Deutsche, gerade auch viele Afrikaner. Aber das ist einfach die Realität, da muss man sich auch nicht beklagen.
Wie lange wollen Sie noch als Trainer arbeiten?
Solange ich mich im Kopf jung fühle, Spaß habe und ich mir nicht jede Kleinigkeit aufschreiben muss, werde ich weiter machen. Da ist das Alter auch nicht so entscheidend.
Maik Rico y Gomez
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