
05.07.2010, 12:51 Uhr | srt - Von Brigitte von Imhof
Abenteuerlicher Absprung ins Moses Mabhida-Fußballstadion in Durban / Südafrika. (Foto: www.bigrush.co.za)
Die Gemüter kochen! Die deutsche Mannschaft trifft im WM-Halbfinale in Durban auf Spanien. Auch die Autorin Brigitte von Imhof beschreibt die Lage in Durban aus einer nervenaufreibenden Perspektive - sie stürzt sich an einem Gummiseil aus 100 Meter über dem Moses Mabhida-Fußballstadion in die Tiefe und schildert, wie sie dieses Erlebnis empfindet.
"Big Rush, Big Swing" heißt die Bungee Jumping-Variante für Mutige, die im Stadion von Durban weltweit einzigartig angeboten wird. Dort, wo die DFB-Elf am 13. Juni ihr erstes Vorrundenspiel gegen Australien bestreitet, will ich vorab schon mal über den heiligen Rasen fliegen. Am Vortag hatte die amtierende Miss Südafrika, Nicole Flint, dieses Abenteuer bestanden. Das sollte ich doch auch schaffen.
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Nachdem ich am Check-In meine umgerechnet 60 Euro bezahlt und einen Packen Haftungsformulare unterschrieben hatte, bekam ich eine Art Klettergurt angelegt und eine kurze Einweisung. Das Moses Mabhida-Fußballstadion wird spektakulär von einem 2700 Tonnen schweren Stahlbogen überspannt. Er teilt sich an seinem höchsten Punkt zu einem Y, das auch in der südafrikanischen Flagge vorhanden ist. Auf der einen Seite des Bogens sind über 500 Stufen eingearbeitet, auf denen man die Sprung-Plattform erreicht.
Uiuiui, die Anstrengung des Aufstiegs gepaart mit der Aufregung ist eine Herausforderung für sich. Den fabelhaften Ausblick auf das Meer und auf Durban, der sich auf meinem Weg nach oben ausbreitet, kann ich nicht wirklich genießen. Zumal ich jetzt auf den letzten paar Stufen etwas Schauerliches erblicke: das Innere des Stadions und den quietschgrünen Rasen, der nicht 100, sondern 1000 Meter unter mir zu sein scheint. Die Jungs am Scheitel des Bogens streifen mir Handschuhe über und gurten mich an ein anderes Sicherungsseil, dann geht es auf einer Leiter ein paar Meter senkrecht nach unten. Ich konzentriere mich auf die Griffe, die Schritte. Bloß nicht nach unten schauen.
Dann stehe ich auf einer vergitterten Plattform, nun lässt sich der Blick in die Tiefe nicht mehr abwenden. Drei Jungs checken den Klettergurt, dann wird ein elastisches Seil in den Karabiner vor dem Schlüsselbein eingeklinkt. Dieses Seil läuft entlang eines anderes Seils, das quer über das gesamte Oval läuft. Dann fragt mich einer der Jungs, ob ich bereit sei. "Ja", wimmere ich. "Three, two, one" dringt es dumpf in meinen Ohren, dann mache ich einen großen Schritt ins Leere.
Nach dem unbeschreiblichen freien Fall in die Tiefe schwinge ich über dem Rasen durch das gesamte Stadion. Bis ich am anderen Ende des Ovals wieder zurückschwinge und schließlich über dem Spielfeld baumle. Einige Schulkinder, die sich gerade auf den Rängen aufhalten, applaudieren. Ich winke ihnen adrenalintrunken zu, strahle, atme tief - und versuche mir einen Reim zu machen, was da eben passiert ist.
Wenn in wenigen Tagen die deutsche Fußballmannschaft zu ihrem WM-Spiel antritt, werde ich mich im Geiste wie die gute Fußball-Fee über dem Geschehen baumeln sehen. Lahm, Schweinsteiger & Co wird das egal sein. Aber ich werde mich fühlen wie der wahre Champion.
srt - Von Brigitte von Imhof
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